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Parasympathikus - im Dienste der Gesundheit

Im vegetativen Nervensystem sind unser Leistungsnerv Sympathikus und unser Entspannungsnerv Parasympathikus aktiv. Eine notwendige Voraussetzung, dass sich das vegetative Nervensystem in den Ruhe- und Erholungsmodus begeben kann ist, dass der Entspannungsnerv Parasympathikus hochfährt und der Leistungsnerv Sympathikus herunterfährt.

Der Entspannungs- oder Gesundheitsnerv Parasympathikus kann bei chronischem Stress auch nachts nicht mehr hochfahren, und negative Erlebnisse können in der Traumschlafphase nicht länger verarbeitet werden.

Insbesondere bei Stress und Stressbewältigung spielt die Balance oder Dysbalance der beiden eine entscheidende Rolle. Wir pendeln unentwegt zwischen Aktivierung & Regeneration: je effektiver, desto besser für unsere Gesundheit!

Wie man die eigene Sympathikus-Aktivität mittels HRV-Messungen bestimmen kann erfahren Sie in diesem Blog:

 

Der Parasympathikus bekommt mittlerweile die ihm zustehende Aufmerksamkeit. Seither wurde hauptsächlich der Sympathikus beachtet, wenn es um die Einschätzung eines Krankheitsrisikos ging. Jetzt weiß man, dass vom Parasympathikus unsere Gesundheit mehr abhängt als man lange Zeit dachte. Wie gut sein Schutzmechanismus funktioniert, spiegelt sich in vielen Herzratenvariabilitäts-Werten wider.

In einer großen deutschen Publikumszeitschrift wurde der Parasympathikus einmal als das Wellnessprogramm für den Körper bezeichnet. Es stimmt, dass während einer angenehmen Massage der Parasympathikus die entspannende Wirkung im Körper verbreitet, aber das ist nicht alles, was er vermag. Auch der Vergleich mit einer Bremse gefällt mir nicht. Klar, er ist der Gegenspieler vom Sympathikus, dem "Gaspedal". Aber die Erklärung, dass er die vom Sympathikus angeregten Prozesse nur wieder verlangsamt, trifft es doch auch nicht ganz. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf diesen Schutzpatron für die Gesundheit und den Garanten für die körperliche Leistungsfähigkeit werfen.

Der Parasympathikus bildet keine so geordnete Struktur mit einem Grenzstrang wie der Sympathikus. Seine Ursprungszentren liegen nicht alle in Rückenmark. Einige befinden sich auch direkt im Gehirn, in den Kernen des Hirnstamms. Was zur Folge hat, dass es zu einer Vermischung mit den Hirnnerven kommt.

Hauptakteur: Der Vagus-Nerv

Eine besondere Rolle fällt dem Vagus-Nerv zu. Der zehnte Hirnnerv hat neben seinen willkürlichen Funktionen auch parasympathische Aufgaben als Eingeweidenerv. Sein Wirken im Körper macht weit über die Hälfte des parasympathischen Einflusses aus. Ähnlich, aber nicht ganz so einflussreich, sind der dritte, fünfte und neunte Hirnnerv. In ihren Nervenbahnen finden sich ebenfalls parasympathische Fasern.

Genauso wie beim Sympathikus müssen die Nervenfasern des Parasympathikus auch ein "Umschaltstadium" durchlaufen, bevor sie ihr Ziel erreichen. Die zuständigen Ganglien liegen jedoch nicht geordnet in einem Grenzstrang, sondern im ganzen Körper verteilt, direkt an den Organen. Besonders engmaschig ist das Nervengeflecht des Parasympathikus im Halsbereich und in der Nähe des Kreuzbeins. Was zur Folge hat, dass die Nervenbahnen teilweise sehr lange Wege zurücklegen müssen.

Schnelles Reaktionsvermögen

Auch bei der Wirkung der beiden Anteile des vegetativen Nervensystems (VNS) gibt es Unterschiede. Sie wirken nicht nur ganz verschiedenen (anregend oder beruhigend), sondern auch noch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Rasche Veränderungen werden in erster Linie über die Nervenbahnen des Parasympathikus bewirkt. Er ist in der Lage, die Regulationsvorgänge viel schneller vorzunehmen als der Sympathikus.

Die Beschaffenheit der Nervenverbindungen ist ein Grund für das unterschiedliche Reaktionsvermögen. Die Ummantelung der Parasympathikus-Fasern bietet eine zehnmal schnellere Weiterleitung von Steuerungssignalen als dies beim Sympathikus der Fall ist. Ein weiterer Grund sind die verschiedenen Überträgersubstanzen. Der Parasympathikus arbeitet ausschließlich mit einem einzigen Neurotransmitter, dem Acetylcholin, was ihm Zeit und Energie bei der Weiterleitung einspart.

Innerhalb einer halben Sekunde kann der Parasympathikus reagieren. Vielleicht wird anhand dieser Tatsache verständlich, warum sich der Herzschlag innerhalb von einem Atemzug zum nächsten verändern lässt. Verringert sich die Herzfrequenz beim langsamen Ausatmen, so ist das immer ein sicheres Zeichen, dass der Parasympathikus aktiv ist. Fast genauso schnell, kann er sich übrigens auch wieder zurücknehmen, innerhalb einer Sekunde kann die Reizausübung abklingen.

Das schnelle Reaktionsvermögen des Parasympathikus ist wichtig. Mit der Schaffung und Speicherung von Energiereserven macht er es überhaupt möglich, dass der Sympathikus bei anstehenden Herausforderungen auf sie zurückgreifen kann. Die Förderung der ausreichenden Leistungsreserven ist dem Parasympathikus verdanken.

Vielleicht könnte man in diesem Zusammenhang die Tätigkeit des Parasympathikus als Erholungsprogramm bezeichnen. Für die Bewältigung der sympathischen Belastungen beschleunigt der Parasympathikus Prozesse im Körper, die die Regeneration fördern und die Kraftspeicher neu auffüllen. Die Verdauungstätigkeit wird wieder aufgenommen. Alles ist bereit für die Nahrungsaufnahme: Die Abgabe von Magensäften wird angeregt, Magen und Darm erhöhen ihre Bewegungsmuster, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase bereiten sich auf ihren Einsatz vor, auch Blase und Niere melden sich zurück. Die Blutversorgung in Haut und Peripherie nimmt wieder zu. Mittlerweile ist auch bekannt, dass der Einfluss des Parasympathikus das Immunsystem bei seiner Arbeit unterstützt.

Der beste Schutz vor stressbedingten Krankheiten

Erst in den letzten Jahren erkannte man, wie wichtig auch die Schutzfunktion des Parasympathikus vor stressbedingten Krankheiten ist. Lange Zeit ging man davon aus, dass für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko allein eine Überaktivität des Sympathikus verantwortlich ist. Mittlerweile wird dies in Abhängigkeit der parasympathischen Leistung betrachtet. Denn die Verminderung der Leistungsfähigkeit des Parasympathikus geht mit einem weitaus größeren Risiko für eine Krankheitsentstehung einher.

Wie wichtig der schützende Mechanismus des Parasympathikus ist, lässt sich am besten mit seiner Wirkung auf das Herz beschreiben. Ohne den Einfluss des vegetativen Nervensystems hat ein gesundes Herz einen Puls von etwa 70 Schlägen pro Minuten. Wird der Parasympathikus aktiv, verringert sich die Pulsrate. Das Herz muss weniger arbeiten. Durch die Reduzierung sinkt der Sauerstoffbedarf, weniger Muskelkraft ist nötig bei gleicher Funktion der Herzkammern. Die Verlangsamung wirkt sich auf die Erregungsleitung aus, was zu einer längeren Überleitzeit für die Erregungsübertragung im Herzen führt. Die Herzkammern bekommen mehr Zeit zur Erholung. Körpereigene Schutzprogramme können besser vor Ablagerungen und Entzündungen bewahren. Eine geringere Herzrate und weniger Schlagvolumen schützen auch vor Bluthochdruck und senken das Risiko für Arrhythmien.

Die HRV-Werte für den Parasympathikus

Bei der Herzratenvariabilität (HRV) gibt es einige Werte, die die Aktivität des Parasympathikus widerspiegeln. Je nachdem wie sie ausfallen, lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie gut oder schlecht er regulieren kann.

Tabelle der parasympathisch beeinflussten HRV-Werte.

Man könnte jetzt meinen, dass der Parasympathikus nur Gutes bewirkt und der Sympathikus eher schädigend für den Körper ist. Das wäre falsch! Beginnt der Parasympathikus zu dominieren, schmälert sich der Einfluss des Sympathikus. Und mit dem Schwinden der sympathischen Aktivität nimmt die Fähigkeit der Leistungssteigerung ab. Aber letztlich wird dadurch das Gesamtsystem vor einer dauerhaften Überbelastung geschützt. Dominiert der Parasympathikus jedoch dauerhaft, also in einer krankhaften Weise, dann gestaltet sich der Alltag zu einer erschöpfenden Herausforderung, weil eine Leistungssteigerung durch den Sympathikus ständig "ausgebremst" wird.

Fazit

Wir brauchen beide Anteile des VNS gleichermaßen für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Meist ist es jedoch der Parasympathikus, der in unserem hektischen Leben bei der Entfaltung seiner Wirkungsweise zu kurz kommt.

 

 

Nicole Franke Gricksch

Hauptberuflich arbeite ich als Journalistin. Ich habe mich auf die Themen Gesundheit, Fitness und Ernährung spezialisiert. Seit einigen Jahren bin ich Chefredakteurin der Publikumszeitschrift Gesunde Medizin. Außerdem betreue ich noch verschiedene Kundenmagazine in der kompletten Abwicklung, also von der ersten Idee eines Beitrags bis zum druckfertigen Produkt.

Vor vielen Jahren habe ich die Heilpraktiker-Ausbildung gemacht und sogar im Anschluss die Prüfung schon beim ersten Versuch bestanden. Den Beruf auch auszuüben, hat sich in den letzten Jahren leider nicht ergeben. Ich wusste einfach nicht, mit was und wie ich therapieren sollte. Auch blieben damals meine Bemühungen, in Praktika Erfahrungen sammeln zu können, erfolglos.

Das Thema Herzratenvariabilität habe ich im Rahmen meiner journalistischen Arbeit kennengelernt. Ich bekam das Angebot, eine Langzeitmessung auszuprobieren, um dann darüber zu berichten. Das Signal hat mich sofort fasziniert, aber verstanden, was da genau gemessen wird, habe ich damals nicht.

Nach über 20 Jahren Medizin-Journalismus war die Herzratenvariabilität das erste Thema, das mich nicht mehr losgelassen hat. Mein Ehrgeiz war geweckt, ich wollte es verstehen und mehr darüber erfahren. Schnell musste ich feststellen, dass der Einstieg für Anfänger nicht gerade leicht ist. Zum Glück verfüge ich als Journalistin über die Möglichkeit, Experten zu befragen, ohne unangenehm aufzufallen. Stück für Stück konnte ich mich so in die Materie langsam einarbeiten.

Für mich war es bald ein großes Anliegen, das Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zusammen mit Jens-Falk Heimann habe ich das Buch Der Puls des Lebens – Die Signale des Herzens verstehen (24,90 Euro, PACs Verlag) geschrieben. Mir war wichtig, dass das Buch einen leichtverständlichen Einstieg in das Thema Herzratenvariabilität bietet. Acht Experten haben unsere Arbeit begleitet. Sie berichten im Buch aus ihrer Praxis und Forschung.

Zu meinem Blog.

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